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Januar 2026 · 10 min Lesezeit

Personal AI: Mein Business Operating System

Wie ich mit PAI den Überblick über mehrere Projekte behalte und Claude Code als persönlichen Assistenten nutze.

Als Product Engineer jongliere ich ständig mehrere Projekte gleichzeitig. Ein Kundenprojekt hier, ein eigenes Venture dort, dazwischen strategische Entscheidungen für meine Agency.

Das Problem: Claude Code startet jede Session bei Null. Es weiß nicht, woran ich gestern gearbeitet habe. Welche Entscheidung ich letzte Woche für Projekt X getroffen habe. Was meine Prioritäten für diesen Monat sind.

Also habe ich mir ein System gebaut.

Das Kontext-Problem

Je mehr Verantwortung du übernimmst, desto mehr Kontext brauchst du.

Als reiner Entwickler reicht der Code. Du bekommst ein Ticket, du löst es, fertig.

Als Product Engineer sieht das anders aus:

Diesen Kontext im Kopf zu behalten ist unmöglich. Und Claude Code kann dir nicht helfen, wenn es deinen Kontext nicht kennt.

Die Lösung: PAI

PAI steht für Personal AI. Es ist kein Tool, keine App – es ist eine Ordnerstruktur mit Markdown-Files, die Claude Code Kontext gibt. Mein Notizbuch digital mit Claude Code als Partner.

~/pai/
├── CLAUDE.md            # Wer ich bin, wie ich arbeite
├── daily/                # Tägliche Logs
├── knowledge/            # Entscheidungen, Learnings
├── goals/                # Meine Ziele
└── business/
    └── pipeline/          # Aktive Projekte

Wenn ich Claude Code in diesem Ordner starte, weiß es sofort:

Wie ich mehrere Projekte manage

1. Ein zentraler Ort für Kontext

In business/pipeline/projects.md liste ich alle aktiven Projekte:

## Aktive Projekte

### Kunde A - Dashboard Redesign
- Status: In Entwicklung
- Deadline: Ende Januar
- Kontext: ~/dev/kunde-a/

### Kunden-Cockpit (eigenes Venture)
- Status: Live, Maintenance
- Kontext: ~/dev/kunden-cockpit/

### AI on Rails (Agency)
- Status: Content-Aufbau
- Fokus: LinkedIn, Blog

Claude sieht das und kann mir helfen, Prioritäten zu setzen.

2. Tägliche Standups

Jeden Morgen starte ich mit /standup. Claude:

Das dauert 5 Minuten und gibt mir Klarheit für den Tag.

3. Entscheidungen dokumentieren

Wenn ich eine wichtige Entscheidung treffe, landet sie in knowledge/decisions/:

# 2026-01-15: Tech-Stack für Projekt X

**Kontext:** Kunde will schnelle Iteration
**Entscheidung:** Rails + Hotwire statt SPA
**Begründung:** Weniger Komplexität, schnellere Lieferung

Drei Wochen später, wenn ich mich frage "Warum haben wir das nochmal so gemacht?" – Claude kann es mir sagen.

4. Projekt-Kontext wechseln

Wenn ich an einem spezifischen Projekt arbeite, wechsle ich in dessen Ordner:

cd ~/dev/kunde-a
claude

Dort gibt es eine eigene CLAUDE.md mit projekt-spezifischem Kontext. Claude kennt dann:

PAI (in ~/pai) ist das Dach. Die einzelnen Projekte haben ihren eigenen Kontext.

Die wichtigsten Commands

PAI nutzt Claude Code Commands – das sind vordefinierte Prompts für wiederkehrende Aufgaben:

Command Was es tut
/standup Täglicher Review, Planung
/coach Strategische Fragen durchdenken
/capture Quick Note erfassen
/sync Alles committen und pushen

Diese Commands sind keine Magie. Es sind Markdown-Files mit Prompts, die Claude sagen, was es tun soll.

Von AI-Tool zu AI-Partner

Der Unterschied zwischen "Claude Code nutzen" und "Claude Code als Partner haben":

Als Tool

  • Du fragst, Claude antwortet
  • Jede Session ist isoliert
  • Du musst Kontext immer wieder erklären

Als Partner

  • Claude kennt dich
  • Erinnert an offene Punkte
  • Erkennt Muster über Wochen
  • Hält dich accountable

Das zweite erfordert ein System. PAI ist meins.

Für wen ist das?

PAI ist nicht für jeden. Es ist für:

Wenn du nur an einem Projekt arbeitest und rein Code schreibst, brauchst du das wahrscheinlich nicht.

Fazit

Das Gedächtnis-Problem von Claude Code ist real. Aber es ist lösbar.

Die Lösung ist nicht ein besseres Tool – sondern ein System, das Claude Kontext gibt.

PAI ist mein System. Vielleicht wird es auch deins.

Fragen? Schreib mir auf LinkedIn.

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