henning thies.

Paradigmen

Skalieren durch Delegieren

Warum Delegation der Schlüssel ist

Delegation ist der Schlüssel zur Skalierung

Die natürliche Reaktion auf einfache Aufgaben: "Das mache ich schnell selbst." Und ja, oft ist es kurzfristig schneller. Aber es skaliert nicht.

Der Paradigmenwechsel: Du musst lernen zu delegieren, auch wenn es sich anfangs langsamer anfühlt. Denn nur so wächst deine Kapazität über deine eigene Arbeitszeit hinaus.

Das Delegations-Paradox

Stell dir vor, du hast einen neuen Mitarbeiter. Die ersten Wochen sind anstrengend: Erklären dauert länger als selbst machen. Du korrigierst Fehler. Du reviewst alles.

Aber nach einigen Wochen? Der Mitarbeiter arbeitet selbstständig. Du kannst dich auf andere Dinge konzentrieren. Deine Gesamtkapazität ist gewachsen.

Mit Claude ist es genauso. Die Investition in gute Prompts, CLAUDE.md und Workflow-Patterns zahlt sich exponentiell aus.

Kurzfristig schneller

"Ich ändere schnell selbst diese 3 Zeilen."

→ Skaliert nicht

Langfristig skalierbar

"Claude, hier ist der Kontext. Mach die Änderung und schreibe einen Test."

→ Kapazität wächst

Warum Delegation schwer fällt

Entwickler sind es gewohnt, Probleme selbst zu lösen. Das ist unser Job. Delegation fühlt sich an wie Kontrollverlust.

  • Perfektionismus: "Ich mache es besser als Claude"
  • Ungeduld: "Das Erklären dauert zu lange"
  • Kontrollbedürfnis: "Ich will jeden Schritt sehen"
  • Gewohnheit: "So habe ich es immer gemacht"

Wichtig

Die Wahrheit: Wenn du alles selbst machst, bist du der Bottleneck. Dein Output ist durch deine Arbeitszeit begrenzt. Delegation durchbricht diese Grenze.

Der Mindset-Shift

Vom Macher zum Dirigenten

Deine Rolle verändert sich: Weniger selbst tippen, mehr orchestrieren.

Alt: Du schreibst Code.
Neu: Du definierst was gebaut werden soll, prüfst ob es richtig ist, und entscheidest wohin es geht.

Das bedeutet nicht, dass du keinen Code mehr schreibst. Aber dein Fokus verschiebt sich:

Aktivität Vorher Mit Agentic Coding
Implementation 80% 20%
Review & Korrektur 10% 40%
Planung & Spezifikation 10% 40%

Praktische Delegation

Stufe 1: Kleine Aufgaben delegieren

Fang klein an. Delegiere Aufgaben, die du normalerweise "schnell selbst" machst:

  • Validierung zu einem Model hinzufügen
  • Einen Test für eine Methode schreiben
  • Eine Fehlermeldung verbessern
  • Code formatieren und aufräumen

Stufe 2: Komplexere Aufgaben delegieren

Wenn du Vertrauen aufgebaut hast, delegiere größere Einheiten:

  • Ein komplettes Feature mit Tests
  • Refactoring einer Komponente
  • Migration auf eine neue API
  • Debugging eines komplexen Problems

Stufe 3: Parallelisieren

Die wahre Skalierung: Mehrere Claude-Sessions gleichzeitig arbeiten lassen.

  • Eine Session schreibt Code, eine andere reviewt
  • Verschiedene Features parallel entwickeln
  • Exploration und Implementation trennen

Der Return on Investment

Die Investition in Delegation zahlt sich aus:

Beispiel: Feature mit 10 Dateien

Selbst implementieren: 4 Stunden
Erste Delegation (mit Lernen): 3 Stunden
Nach 10x Delegation: 45 Minuten
Mit Parallelisierung: 15 Minuten

Die Kunst des Loslassens

Delegation bedeutet auch: Akzeptieren, dass das Ergebnis anders aussehen kann als erwartet. Nicht schlechter – anders.

Tipp

Fokus auf das Ergebnis, nicht den Weg. Wenn das Feature funktioniert und die Tests grün sind – ist es dann wichtig, ob Claude eine andere Struktur gewählt hat als du es getan hättest?

Natürlich gibt es Grenzen. Code-Qualität, Sicherheit und Architektur-Entscheidungen sind deine Verantwortung. Aber die Implementierungsdetails? Die kannst du loslassen.

Zusammenfassung

  • Skalierung kommt durch Delegation – nicht durch schnelleres Tippen
  • Die Investition lohnt sich – jede delegierte Aufgabe macht die nächste einfacher
  • Vom Macher zum Dirigenten – dein Wert liegt in Judgment, nicht in Keystroke
  • Parallelisierung ist der Multiplikator – mehrere Agents = mehrfache Kapazität