henning thies.

Das Manifest

Was ist ein Product Engineer?

Die neue Rolle definiert

Der Creative Director of Code

Die Entwickler, die am weitesten mit AI gegangen sind, beschreiben ihre Rolle nicht mehr als "Code Producer". Sie sind Creative Directors of Code.

Die Kernkompetenz ist nicht mehr Implementation – sie ist Orchestrierung und Verifikation. Du entscheidest, was gebaut wird. AI hilft beim Wie.

Was ist ein Product Engineer?

Ein Product Engineer vereint Produktverantwortung mit technischer Umsetzung. Nicht entweder-oder. Beides. Du verstehst das Problem, du baust die Lösung, du bist verantwortlich für das Outcome. Kein Handoff an einen PM, keiner der dir sagt was du bauen sollst.

Die Kernkompetenzen: Product Sense – verstehen, was User wirklich brauchen. Technical Depth – Code schreiben, Architektur verstehen, AI Output bewerten. AI Piloting – mit AI Agents arbeiten, orchestrieren, verifizieren. Decision-Making – unter Unsicherheit die richtigen Entscheidungen treffen.

Was es NICHT ist

Der Begriff wird oft missverstanden. Ein Product Engineer ist nicht einfach ein Entwickler mit einem neuen Titel. Es geht um eine fundamental andere Arbeitsweise.

Nicht: Ein Full-Stack Developer, der manchmal mit Usern spricht. Full-Stack beschreibt technische Breite. Product Engineer beschreibt Ownership – wer entscheidet, was gebaut wird.

Nicht: Ein Product Manager, der auch coden kann. Ein PM gibt ab. Ein Product Engineer baut selbst. Keine Handoffs, keine Specs die jemand anderes schreibt.

Nicht: Ein Developer, der ab und zu User-Feedback liest. Es geht um Ownership, nicht um eine Checkbox. Du bist verantwortlich für das Outcome, nicht nur für den Code.

Der Unterschied zu klassischen Rollen

Software Engineer Product Manager Product Engineer
Fokus Zuverlässiger Code Produktstrategie Beides
Ownt Den Code Die Roadmap Das Outcome
Entscheidet Wie (technisch) Was (strategisch) Was UND Wie
User-Kontakt Selten Ständig Ständig

Die neue Realität

65% der Entwickler erwarten, dass ihre Rolle sich 2026 fundamental verändert – weg von Routine-Coding, hin zu Architektur, Integration und AI-gestützter Entscheidungsfindung.

84% nutzen oder planen AI-Tools in ihrer Entwicklung. Aber nur 33% vertrauen dem AI-Output. Die Rolle verschiebt sich von "Code schreiben" zu "Code dirigieren und validieren".

"My role has shifted from just coding to validating AI output, checking for edge cases, security risks, and logic gaps that AI can't catch. I'm not trying to out-code AI. I'm making myself essential by leading it with judgment."

Unternehmen, die es verstanden haben

Linear hat keine Product Manager. Nur einen Head of Product für 60 Leute. PM-Aufgaben sind auf Engineering und Design verteilt. Entscheidungen basieren auf "Taste and Opinions", nicht auf Metriken.

PostHog: "When the person talking to users is the same one writing the code, less time gets spent on handoff and ambiguity."

Fly.io: "Ruthless about working on stuff users see and care about."

Tipp

Der Product Engineer ist keine neue Erfindung. Es ist die Rückkehr zu dem, wie Software ursprünglich gebaut wurde – von Menschen, die das Problem verstanden UND die Lösung bauten. AI macht diese Arbeitsweise wieder möglich.

Bist du bereit?

Übung: Selbst-Check ~5 Min

Beantworte ehrlich:

  • Weißt du, wer dein Feature nutzt? (Namen, nicht Personas)
  • Hast du diese Woche mit einem User gesprochen?
  • Könntest du erklären, warum dein aktuelles Feature wichtiger ist als die Alternativen?
  • Wenn das Feature floppt – fühlst du dich verantwortlich?

Je mehr du mit "Nein" antwortest, desto mehr arbeitest du noch als klassischer Software Engineer. Der Shift zum Product Engineer beginnt mit Bewusstsein.

Zusammenfassung

  • Creative Director of Code – Orchestrierung und Verifikation statt nur Implementation
  • Vier Kernkompetenzen: Product Sense, Technical Depth, AI Piloting, Decision-Making
  • Nicht Full-Stack, nicht PM – eine fundamental andere Arbeitsweise mit End-to-End Ownership
  • Die Rolle verschiebt sich – von "Code schreiben" zu "Code dirigieren und validieren"

Quellen