henning thies.

Mindset

User Empathie

Verstehen was Menschen brauchen

Du hast den Mindset-Shift gemacht: Es geht um Probleme, nicht um Code. Die erste Frage war: "Für wen?" – Jetzt lernst du, wie du diese Menschen wirklich verstehst.

Was User-Empathie bedeutet

User-Empathie ist nicht "nett sein". Es ist die Fähigkeit, die Welt aus der Perspektive deiner User zu sehen.

Das bedeutet: Ihre Probleme verstehen. Ihre Sprache sprechen. Ihre Frustration fühlen. Ihre Ziele kennen.

Die goldene Regel

Du bist nicht dein User.

Was für dich offensichtlich ist, ist für sie verwirrend. Was für dich irrelevant ist, ist für sie kritisch.

Wie du User verstehst

1. Beobachten, nicht fragen

User sagen, was sie denken, dass du hören willst. Beobachte, was sie tun.

2. Sprache übernehmen

Wenn dein User "Kunden" sagt, sag nicht "Clients". Wenn dein User "Dashboard" sagt, sag nicht "Analytics View".

3. Probleme, nicht Lösungen

User kommen mit Lösungen: "Ich brauche einen Export-Button." Deine Aufgabe: Das Problem dahinter verstehen.

Tipp

Frag: 'Was würdest du mit dem Export machen?' Die Antwort zeigt das echte Problem.

Die fünf Warum

Eine Technik aus dem Toyota Production System. Frag fünfmal "Warum", um zur Wurzel des Problems zu kommen.

Übung: 5 Warum ~5 Min

User: "Ich brauche eine Filterfunktion."

  1. Warum? "Weil ich bestimmte Einträge finden will."
  2. Warum? "Weil die Liste zu lang ist."
  3. Warum? "Weil alte Einträge nicht archiviert werden."
  4. Warum? "Weil es keine Archiv-Funktion gibt."
  5. Warum? "Weil niemand daran gedacht hat."

Die Lösung ist vielleicht nicht ein Filter, sondern ein Auto-Archiv.

User-Empathie im Alltag

  • Lies Support-Tickets – Die echte Sprache deiner User
  • Schau Screen-Recordings – Wo stocken sie?
  • Sprich mit Support – Was fragen User immer wieder?
  • Nutze dein Produkt – Als wärst du ein neuer User

Wichtig

Der gefährlichste Satz: 'Das ist doch offensichtlich.' Wenn du das denkst, hast du die User-Perspektive verloren.

Zusammenfassung

  • Du bist nicht dein User – was für dich offensichtlich ist, ist für sie verwirrend
  • Beobachten statt fragen – User sagen, was sie denken, nicht was sie tun
  • Die fünf Warum – zum echten Problem vordringen, nicht an der Oberfläche bleiben
  • Im Alltag: Support-Tickets lesen, Screen-Recordings schauen, Produkt selbst nutzen

Was kommt als nächstes?

Du verstehst jetzt, wie du User-Perspektiven einnimmst. Du kennst die Techniken – Beobachten, die fünf Warum, echte Probleme finden. Das ist der Input.

Aber wie verarbeitest du all diese Beobachtungen? Wie entwickelst du aus hunderten Gesprächen und Interaktionen die Intuition, WAS gebaut werden sollte? Das ist Product Sense – und genau darum geht es als nächstes.